Zank und Streit
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Zentrale Anlaufstelle für grenzüberschreitende Kindschaftskonflikte

ZAnK - Zentrale Anlaufstelle für grenzüberschreitende Kindschaftskonflikte

Frau lässt Zwillingsbabys in der Türkei

Zeitungsartikel in der Sächsischen Zeitung vom 26.09.2012

Sächsische Zeitung vom 26. September 2012

von Sven Heitkamp, Leipzig

Die Frühchen sind noch in der Klink. Deutsch Behörden bemühen sich um einen baldigen Rücktransport der Kinder. Wo sie dann untergebracht werden, muss geklärt werden. 

Eine tragische Familiengeschichte um in der Türkei zurück gelassenen Neugeboren und ihre Mutter beschäftigt jetzt das Leipziger Jugendamt: Eine Frau fliegt schwanger mit ihren Zwillingen und begleitet von ihrer Mutter zum Urlaub nach Alanya, einen Badeort an der türkischen Südküste. Doch die beiden Jungs kommen dort etwa acht Wochen vor dem Geburtstermin auf die Welt und müssen auf die Frühchen-Station. Mutter und Oma fliegen wenige Tage später nach Hause. Allein.

"Ich hatte nur noch 7,50 Euro in der Tasche. Ich hätte gar nicht länger in der Türkei leben können", wird die 34-Jährige in der Bild-Zeitung zitiert. Sie habe die Kinder nicht einfach zurück gelassen, sie sollten nach Deutschland transportiert werden, betonte demnach die Harz-IV-Empfängerin. Sie soll schon andere Kinder haben und dem städtischen Sozialamt seit Längerem bekannt sein. Nun mühen sich diverse Behörden darum, die Neugeborenen bald nach Leipzig zu holen. Das Familiengericht habe einen Vormund bestellt, sagte eine Sprecherin des Leipziger Rathauses. Der Mutter wurde demnach das Sorgerecht entzogen.

Der amtliche Vormund kümmere sich nun darum, dass die Kinder heimkommen können, bestätigt die Sprecherin. Wie und wo die Zwillinge untergebracht werden, sei noch nicht entschieden. Zu klären ist ferner, welche Behörde die Kosten für die Versorgung der Kinder in der türkischen Klinik und den Rücktransport finanziert. Eingeschaltet ist auch das Auswärtige Amt. "Das deutsche Konsulat ist intensiv mit dem Fall befasst und steht mit den relevanten Stellen in Kontakt", bestätigt eine Sprecherin, ohne auf Details einzugehen.

Staatsanwalt ermittelt nicht

Kontaktiert wurde zudem der Internationale Sozialdienst (ISD), der auf länderübergreifende Kinder- und Jugendhilfe spezialisiert ist. "Wir haben in dem Fall noch keinen Auftrag", sagt ISD-Leiterin Gabriele Scholz. "Wir gehen aber davon aus, dass die deutschen Behörden alles tun werden, um die Kinder zu holen. Sie sind deutsche Staatsangehörige." Die türkische Seite werde kein Interesse daran haben, zwei deutsche Kinder zu behalten und alles Erforderliche für ihr Wohlergehen tun. Mit ihrem Partner in der Türkei arbeite der weltweit vernetzte ISD sehr gut zusammen, betont Scholz. Das Land bildet einen Schwerpunkt in der Arbeit des Vereins. Als neutraler Berater und Verbindungsstelle zwischen deutschen und ausländischen Trägern, Behörden und Gerichten betreut er jedes jahr rund 900 Fälle von hilfe- oder schutzbedürftigen deutschen Kindern weltweit, etwa bei grenzüberschreitenden Sorgerechtskonflikten von Eltern, Kindesentführungen oder Kindeswohlgefährdungen. Gefördert vom Bundesfamilienministerium beschäftigt der Verein fünf Sozialarbeiterinnen und drei Juristen.

Als Straftat eingestuft ist der Leipziger Fall indes nicht. Bei der Staatsanwaltschaft gebe ein kein Ermittlungsverfahren und keine Anzeige, sagte ein Behördensprecher.

 

 

Aktuelles

 

Der ISD/ZAnK in den Medien

 
  • 08.07.2014 Beitrag DIALOG-Magazin: "Internationale Sozialarbeit in deutsch-polnischer Kooperation"

    Beitrag DIALOG-Magazin: "Internationale Sozialarbeit in deutsch-polnischer Kooperation"

    "Zwei Organisationen, die sich in nachbarschaftlicher Kooperation für das Kindeswohl einsetzen, sind der Internationale Sozialdienst (ISD) in Berlin und das Komitet Ochrony Praw Dziecka (KOPD) in Posen/Poznań. Das fruchtbare Arbeitsbündnis besteht seit 2011."

  • 27.06.2014 "Wider Willen in Pakistan" - Ein Bericht von Kemal Hür

    "Wider Willen in Pakistan" - Ein Bericht von Kemal Hür

    Jedes Jahr werden mehrere hundert Kinder von einem Elternteil in ein anderes Land entführt - meist nachdem eine Beziehung gescheitert ist. Die Leidtragenden sind oft die Kinder, die manchmal lebenslang an den Folgen tragen. Kemal Hür beschreibt in seinem Beitrag das Schicksal einer jungen Frau die als Kind nach Pakistan entführt wurde. Der Beitrag stellt zudem das Hilfsangebot des ISD in Kindesentführungsfällen vor (Information, Beratung) und versucht, mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass überwiegend muslimische Männer ihre Kinder entführen.

  • 17.04.2014 "Auf Teneriffa aufgegriffen - Höhlenkinder sind aus Lohmar"

    "Auf Teneriffa aufgegriffen - Höhlenkinder sind aus Lohmar"

    Kinderschutz endet nicht an Staatsgrenzen. Immer wieder sind Kinder in Lebenslagen, in denen entschieden werden muß, wo und wie ihnen am besten geholfen werden kann. Die "Höhlenkinder von Lohmar" sind nur ein Beispiel von vielen. Der Internationale Sozialdienst ist in Fällen dieser Art ein wichtiger Arbeitspartner. Er holt Informationen ein, leitet sie weiter und koordiniert Hilfen zwischen verschiedensten Beteiligten (Jugendämter, Botschaften, etc).

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